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freitag 23. september 05, 19:00 uhr

samstag 24. september 05: 19:00 uhr


michael zinganel: "we are building security"

Die Auseinandersetzung von Kunst, Wissenschaft und Massenmedien mit "dem Verbrechen," haben zur Mythenproduktion der "gefährlichen" Großstadt, vor allem der Quartiere der Armen und Zuwanderer, maßgeblich mit beigetragen. Diese tradierte Angst vor bestimmten Individuen oder Stadtteilen wurde und wird für die Sicherheitstechnik, Architektur und Stadtplanung produktiv gemacht: Die Beispiele dafür reichen von kleinen alltäglichen Verbrechen und den entsprechend bescheidenen Präventionsmaßnahmen bis zu seltenen außergewöhnlichen Ereignissen wie dem Attentat des 11. September, die alle zu einer sukzessiven "Modernisierung" und "Ausdifferenzierung" der Sicherheitstechnik beigetragen haben.

Auch im vergleichsweise sehr sicheren Wien, das sich dieser Sicherheit als zentralem sanften Standortfaktor rühmen kann, lassen sich bis heute historische militärstrategische und soziale Demarkationslinien entweder direkt ablesen, oder zumindest rekonstruieren: die bekanntesten dieser Grenzlinien sind die Ringstrasse und der Gürtel, beide früher Fortifikationsanlagen gegen die Feinde von außen, aber auch Steuergrenzen, und daher soziale Grenzen zwischen mehr oder weniger wohlhabenden Schichten.

Michael Zinganel lebt und arbeitet als Architekturtheoretiker, Künstler und Kurator in Graz und Wien. Ausstellungen und Publikationen u. a. über die Produktivkraft des Verbrechens für die Entwicklung von Sicherheitstechnik, Architektur und Stadtplanung und zuletzt über Tourismus als Motor des transnationalen Kulturtransfers.

Buchhinweis: Michael Zinganel, Real Crime. Architektur, Stadt und Verbrechen, Edition Selene, Wien 2003

veronika weidinger: "we know you are watching"

Überwachungskameras via Sticker kennzeichnen, verkleben oder mit Tüchern verdecken, Überwachungszentralen besetzen oder Sabotage Aktionen setzen - seit dem Mitte der 90er Jahre die Videoüberwachung öffentlicher urbaner Räume massiv zugenommen hat, regt sich auch Protest. "Surveillance Camera Players" formulieren ihren Widerstand mit kurzen Performances vor Überwachungskameras im Sinn eines "Guerilla Programing of Videosurveillance" - diese Strategien vorzustellen, ist auch eine gute Gelegenheit, Videoüberwachung an sich zu thematisieren und in den Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen, etwa der Diskussion um "urbane Verunsicherungen" zu setzen; die Analyse und Kritik von WissenschafterInnen der "Surveillance Studies" vorzustellen, oder die Tendenzen für die (Macht)Verhältnisse im öffentlichen Raum zu diskutieren.

Veronika Weidinger, Redakteurin bei Radio FM4, Diplomarbeit am Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft der Universität Wien: "Surveillance Camera Players: Theatraler Protest gegen Videoüberwachung im öffentlichen Raum", Wien 2004.

sigi feldbacher / wiener graffiti union: "freie motorenfabrik vs. kabelwerk: formen der selbstorganisation im bereich der kulturellen zwischennutzung von leer stehenden gebäuden"

Das Kabelwerk in Meidling wie die FMF (FreieMotorenFabrik) in der Martinstraße, Wien 18 sind bzw. waren Projekte der "Kulturellen Zwischennutzung" leer stehender Gebäudekomplexe im Einvernehmen mit dem Eigentümer. Höchst unterschiedlich waren aber die Zugangsbedingungen der beteiligten Kunst- und Kulturschaffenden: das Kabelwerk- verwaltet durch einen Verein(-svorstand) der sich vorbehielt, alle Entscheidungen unter Ausschluss der Beteiligten vorzunehmen und die Art und Weise der Nutzung zu bestimmen, die FMF- quasi nicht verwaltet, mit unregelmäßigen, anlassbedingt einberufenen Treffen aller (interessierter) Beteiligten, die über die jeweiligen von ihnen adaptierten Räume weitestgehend frei verfügten. - Ein Vergleich (inkl. Videodokumentation über die FMF).

Sigi Feldbacher, Sprüherin und Mitbegründerin der Wiener Graffiti Union (WGU). Beteiligt an der Freien Motorenfabrik, einem Projekt der kulturellen Zwischennutzung im Jahre 2002 in der Martinstraße in Wien, mit Theaterprojekt, Siebdruckwerkstatt, Ateliers, Nähwerkstatt, Holzwerkstatt oder Beisl.

bettina mooshammer und eva trimmel: "ladyspace"

Das Projekt "Ladyspace" beschäftigt sich mit feministischen Praktiken der Raumaneignung am Ladyfest Berlin und Wien 2004. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Untersuchung der Aneignung von physischem Raum und dem damit verbundenen Versuch, Verschiebungen in der Produktion des sozialen Raumes zu bewirken. Weitere Untersuchungsgegenstände sind die inhaltlichen Auseinandersetzungen und die Strategien zur Schaffung eines feministischen Gegenraumes, eines "Ladyspace".

Bettina Mooshammer und Eva Trimmel, Diplomarbeit am Institut für Visuelle Kultur, Fakultät für Architektur und Raumplanung, TU Wien, "Ladyspace. Feministische Raumpraktiken am Beispiel Ladyfest", Wien 2005.

hikmet kayahan / zara: "gefahrenzone öffentlicher raum - rassistische beschmierungen"

ZARA steht für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich. Die einzige Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassismus dokumentierte im Jahr 2004 über 900 Fälle, darunter 266 rassistische Beschmierungen. "Im öffentlichen Raum nehmen rassistische Übergriffe und Bedrohungen stetig zu. Für viele Menschen bedeutet das bedrohliche Unsicherheit und unvorhersehbare Konfrontationen mit Gewalt", betont Hikmet Kayahan, Leiter der ZARA- Beratungsstelle. Vortrag und Diskussionsschwerpunkt: Was macht ZARA? Was kann ich gegen Rassismus im Öffentlichen Raum tun? Wie steht es um Anti-Rassismus in Österreich?

Hikmet Kayahan, Leiter der Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassismus. ZARA braucht fördernde Mitglieder und SpenderInnen!

konrad becker: "die kunst der öffentlichen ruhestörung. mediale interventionen im öffentlichen raum"

Die Kultur der Strasse wird nicht nur durch Hoch- und Spektakelkultur marginalisiert, sondern ist zunehmend auch von einer Politik der Fragmentierung und der erzwungenen Sprachlosigkeit betroffen. Während Ausgrenzung, Kontrolle und Kategorisierung mittels Paranoia-Technologien und Überwachungssystemen im Vordergrund gesellschaftlicher Entwicklungen stehen, ist die immer weiter gehende Privatisierung der öffentlichen Sphäre mit einer Hegemonie der Zeichenwelt und neuen Formen der Zensur verbunden. Statt Partizipation und kultureller Artikulation in der so genannten Informationsgesellschaft, greift, unter dem Druck prekärer Verhältnisse und einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche, Stille um sich. Eine symbolpolitische Praxis Öffentliche Ruhestörung ist wie Salz auf den vereisten Straßen der Sprachlosigkeit, kulturelle Ruhestörung die Kunst des 21. Jhdt.

Konrad Becker, Gründer des Instituts für Neue Kulturtechnologien/t0 leitet Netbase und World-information.Org. Seine künstlerische und theoretische Arbeit beschäftigt sich mit Kultur im psychosozialen Spannungsfeld von Gesellschaft, Technologie und Politik.